Der Emme entlang von Bätterkinden nach Solothurn

Ein Erfahrungsbericht und eine Anleitung zum Gebrauch der App.

Wandern auf unbekannten Pfaden ist stets eine Herausforderung. Und dies trifft ganz besonders zu, wenn die Wanderer allesamt blind sind. Von unseren Wanderungen zu dritt haben wir bereits einige Male auf der Apfelschule-Seite berichtet. Roger, Christian und ich unternehmen schon seit einiger Zeit regelmässig gemeinsame Wanderungen. Nebst dem, dass wir zusammen stets Spass haben, verfolgen wir auch das Ziel, verschiedene Navi-Apps auf ihre Zuverlässigkeit und Nützlichkeit für uns blinde und stark sehbehinderte Personen zu testen. Wir gehen dabei allerdings nicht systematisch vor, sondern versuchen gerade mal das aus, was uns als vielversprechend in die Hände beziehungsweise ins iPhone „fällt“. Und nachdem wir langezeit mit Komoot und mit MyWay gewandert sind, kam bei den letzten Wanderungen vermehrt die App „Swiss Map Mobile“ zum Einsatz. So auch heute. Roger konnte uns   aus gesundheitlichen Gründen heute nur bis zum Start unserer Wanderung begleiten und so machten Christian und ich uns alleine auf den Weg. Wir hatten die Route 76.04 (die 4. Etappe der Wanderung von Bielersee nach Solothurn) in der Swiss Map App geladen und ich liess sicherheitshalber im Hintergrund auch noch Komoot „mitlaufen“. Doch Kommot und Swiss Map waren sich selten einig. Und wir hatten beim Routenstart beschlossen, dass wir uns dieses Mal im Zweifelsfall nach den Anweisungen von Swiss Map richten. Und tatsächlich wurden wir von der App in keinem Moment im Stich gelassen. Zwar teilte uns die App an einigen Stellen mit, dass wir vom Weg abgekommen seien – und diese Meldung erfolgte erstaunlich rasch. Doch nach dem Umkehren wurden wir dann jeweils wieder zuverlässig weiter gelotst. Bei meinem Gerät war manchmal nach solchen Abweichungen ein Neustart der Route erforderlich, weil es dem Gerät offenbar die Sprache „verschlagen“ hatte, doch auch dieses Problem trat später nicht mehr auf. So ging’s zunächst zum Wasserschloss Landshut und von dort an die Emme, wo wir auf dem rechtsufrigen Damm flott voran kamen. Bei der Papierfabrik Utzenstorf führte uns die App über eine Holzbrücke ans linke Emmenufer. Der Weg war auf dieser Seite etwas schmaler und nicht mehr immer ganz einfach zu ertasten. Doch anhand der sehr präziesen Anweisungen, zum Beispiel „nach 40 Metern leicht links und stark ansteigend“ konnten wir uns immer wieder gut zurecht finden. Eine besondere Herausforderung war die Überquerung des Limpbachs vor seiner Mündung in die Emme. Dass der Weg scharf nach links gehe, wussten wir. Doch da war plötzlich kein Weg mehr, sondern die Stockspitze glitt an einer Mauerkante ins Leere. Und aufgrund der Tiefe des Abgrunds und der Fliessgeräusche des Baches wurde uns schnell einmal klar, dass es sich hier um den Limpbach handeln musste. Also nach der Brücke getastet – und tatsächlich, nach ca. einem Meter kam sie. Ein schmaler Betonsteg, der zu unserer Erleichterung auf der rechten Seite ein Geländer aufwies. Schade, dass Brücken und auch Stufen von dieser App nicht angesagt werden! Von da an stieg der Weg leicht an auf den Altisberg. Dieser Abschnitt durch den lockeren Wald mit dem Rauschen der Emme zu unserer Rechten war sehr schön, wenn wir auch ab und zu nach der Fortsetzung des Weges tasten mussten. Eine kleine Herausforderung war dann noch der Abstieg vom Altisberg auf das Flussniveau hinunter, weil der Fussweg den Höhenunterschied in Serpentinen überwand. Und gerade da zeigte sich, wie präzise und hilfreich die Navianweisungen waren. Gleich ausserhalb des Waldes fanden wir ein Bänkli am Wegrand,  das uns zu einer wohlverdienten Mittagsrast einlud. Der Rest des Weges war einfach. Es ging praktisch schnurgerade auf dem Emmendamm bis hinunter zur Autobrücke in Biberist. Dort beschlossen wir, unsere Wanderung für heute zu beenden und den zweiten Teil dieser Etappe ein anderes Mal unter die Füsse zu nehmen. Mit MyWay liessen wir uns zum Bahnhof Biberist Ost navigieren und erfuhren durch die neu in MyWay integrierte ÖV-Funktion auch gleich noch, wann der Zug nach Solothurn fährt. Zufrieden und auch ein wenig stolz erreichten wir am frühen Nachmittag wieder den Bahnhof von Solothurn.

 

Hinweise zu Swiss Map Mobile

Die App findest du im App Store, wenn du „Swiss Map Mobile“ ins Suchfeld eingibst. Die App ist gratis, doch wenn du die Routen von Schweiz Mobil nutzen willst, musst du ein Jahresabonnement kaufen.

 Nach dem erstmaligen Start der App findest du auf dem Bildschirm unten rechts die „Icon Call Page“-Taste (oder so ähnlich). Wenn du sie aktivierst, gelangst du ins Grundmenü mit der Überschrift Swiss Map Mobile.

Auf diesem Bildschirm findest du den Eintrag „Kartenmaterial“. Wenn du diesen mit einem 1-Finger-Doppeltipp aktivierst, kannst du 1000 Kacheln gratis herunter laden. Kacheln sind kleine Kartenausschnitte. Diese nützen uns jedoch für unseren Zweck nichts, da wir ja die Routen von Schweiz Mobil nutzen möchten. Und das setzt den Kauf eines Abonnements voraus. Darum aktiviere die „Kaufen“-Taste, die neben „Abonnement“ steht. Sobald du diese Taste mit einem 1-Finger-Doppeltipp aktiviert hast, erscheint der Preis für ein Jahresabonnement, zur Zeit Fr. 38.00 und daneben die Taste „im App Store kaufen“. Wenn du diese Taste mit einem 1-Finger-Doppeltipp aktivierst, wirst du mit dem App Store verbunden, wo du, wie bei jedem Kauf üblich, dein Apple-ID-Passwort eingeben musst. Mit dem Kauf des Jahresabonnements erwirbst du einen „Product Key“ (einen Zahlencode), mit welchem du dein Abonnement freischalten kannst.

Sobald dein Abonnement frei geschaltet ist, erscheint im Hauptmenü der Swiss Map App unter „Karten“ das Ablaufdatum deines Abonnements und das Wandern kann jetzt los gehen!

 

Route auswählen und Sprachnavigation einschalten:

  1. die App „Swiss Map Mobile“ starten
  2. Einfinger-Doppeltipp auf die Taste ganz rechts unten mit der Bezeichnung "Icon Curl page". - So gelangst Du ins Menü.
  3. Einfinger-Doppeltipp auf dem Menüpunkt "Suchen"
  4. Einfinger-Doppeltipp auf den Punkt "SchweizMobil Routen"
  5. Das Suchfeld „Routennamen oder Nummer“ mit einem 1-Finger-Doppeltipp aktivieren und den Namen der Route oder die Nummer der Route eingeben. In unserem Beispiel  „Solothurn“ oder „76.04“ und danach im Tastenfeld unten rechts Suchen". Aktivieren. Eine Liste der Suchergebnisse wird angezeigt.
  6. Suche mit dem Finger von oben, bis Dir die gewünschte Route oder ein Teilstück davon vorgelesen wird. Mit einem 1-Finger-Rechtswisch gelangst Du zur Taste "Weitere Infos“ zum betreffenden Weg. Aktiviere diese Taste mit einem Einfinger-Doppeltipp.
  7. Du gelangst nun ins Infofenster zu dieser Route mit einer kurzen Beschreibung der Wanderstrecke. Am unteren Bildschirmrand in der Mitte findest Du die Taste "Track". Darauf Doppeltippen, um die Route in einen Track umzuwandeln
  8. Danach ein Einfinger-Doppeltipp auf die Taste ganz rechts unten (Icon curl page), damit die Karte wieder angezeigt wird.
  9. In der untersten Zeile ganz links befindet sich das Kreuzsymbol. Die Tastenbezeichnung ist Englisch und tönt in etwa wie „Icon Cross wires white“. Dieses Symbol kann 3 Zustände annehmen:
    - Weiss )Icon cross wires white): ausgeschalteter GPS-Modus. Kartenausschnitt wird während der Wanderung nicht nachgeführt.
    - Blau (Icon cross wires blue): aktivieren des GPS-Modus und damit auch der Sprachnavigation
    - Compas (Icon cross wires compas): Aktivierte Sprachnavigation, Karte wird immer nach Norden ausgerichtet

Am Anfang ist das Kreuz weiss, der GPS-Modus ist also ausgeschaltet. Doppeltippe ein oder zweimal auf das Kreuz, um den GPS- bzw. den Kompass-Modus einzuschalten. Wenn du dich am Startpunkt der Wanderung befindest oder an einem beliebigen Punkt auf der Strecke, dann startet bei der Aktivierung von „blue“ die Sprachnavigation und du erhältst klare Hinweise zum Verlauf deines weiteren Weges.

 

Wichtiger Hinweis

Vergesst nicht! Jeder und jede, der oder die sich auf eine Wanderung begibt, die hir auf der Apfelschule-Seite vorgestellt und beschrieben worden ist, tut dies auf eigenes Risiko und auf eigene Gefahr. Denn auch auf die zuverlässigste Navi-App ist nie 100 prozentig Verlass. Und die eigentlichen Gefahren auf und neben dem Weg werden ja von den Navi-Apps überhaupt nicht angezeigt. Doch mit der erforderlichen Vorsicht und einer guten Mobilitätstechnik eröffnet eine Wanderapp unbestrittenermassen eine neue Dimension von Freiheit. Und dazu wünschen wir viel Spass!