Allgemein

Mit Komoot kannst du als Wanderer oder Fahrradfahrer mit topografischem Kartenmaterial Routen planen und austauschen.

Routenvorschläge gibt es auch entsprechend der Angaben zur persönlichen Fitness. Die Karte der ersten Region (der aktuellen Position) ist gratis und kann zur Offline-Nutzung gespeichert werden. Weitere Regionen kannst du über inApp-Käufe erwerben.

Zugänglichkeit mit VoiceOver:

Die App ist standardmäßig auf den Modus Radfahrer eingestellt und die Auswahl des Fußgängermodus ist mit VoiceOver nicht möglich. Einmal – mit sehender Hilfe umgestellt – bleibt die App erfreulicherweise in diesem Modus " Wanderer". Einige Elemente, wie die Schalter im unteren Bereich für "Abbrechen", "Position", "Kamera" oder "Suchen" sind schwer verständlich, weil sie englisch beschriftet sind. Es gibt auch wichtige Elemente, die gar nicht beschriftet und damit unzugänglich sind, wie die Namen der gespeicherten Routen in der Listenauswahl.

Fazit: Die Bedienbarkeit mit VoiceOver ist nur eingeschränkt möglich.

Routenplanung und Zieleingabe:

Du hast die Möglichkeit von der aktuellen Position oder von einem anderen Ausgangspunkt, eine Route zu planen. Über den Schalter "Wähl einen Zielpunkt" gelangst du zu einem neuen Bildschirminhalt, wo du in einem Suchfeld eine Adresse oder ein Ziel eingeben kannst. Dabei gibt es manchmal ein Problem mit Hausnummern – Die Eingabe von beispielsweise Blumenstr. 5 war nicht möglich. Es wird die Hausnummer weg gelassen und nur der Anfang der Straße angesteuert.

Details:

Ist das Ziel ausgewählt, erwarten dich auf dem nächsten Bildschirm Details zur Tour sowie weitere Alternativrouten.  Angaben zu Entfernung und Zeitbedarf werden korrekt gesprochen, während  Aussagen zu Anstieg bzw. Abstieg erstens vertauscht und zweitens nicht bezeichnet sind.

Dies ist dann besser auf dem nächsten Bildschirm "Tourinfo" gelöst. Hier werden eine Karte und Fotos von Sehenswürdigkeiten auf der Strecke gezeigt. Die Karte ist nicht barrierefrei, selbst Straßennamen werden nicht, wie beispielsweise von Apples Kartenapp gewohnt, gesprochen. Angaben zum Schwierigkeitsgrad und zur Bodenbeschaffenheit der Wege der geplanten Route werden dagegen von VoiceOver vorgelesen. Das Höhenprofil liegt nur als Grafik vor.

Über einen leider nur englisch beschrifteten Schalter bekommst du einen bildschirmfüllenden Kartenausschnitt.

 

Über den Schalter "Los geht’s" wird die Navigation gestartet. Es folgt dann noch eine Abfrage, ob du mit Sprachnavigation starten möchtest. Hier ein Tipp, der auch für andere Naviapps gilt: Den Schalter "Starten" solltest  du erst aktivieren, nachdem du mit Dreifinger-Doppeltipp VoiceOver deaktiviert hast. So kannst du die ersten Hinweise ohne Sprachüberlagerung besser verstehen.

Sprachnavigation von A nach B:

Die App kennt viele Fußwege und benutzt diese im Gegensatz zu anderen Navigationsapps vorwiegend.

Die Angaben sind gut verständlich und werden teilweise sehr früh, ca. 40 Meter vorher und manchmal im akzeptablen Bereich von ca. 10 Metern vorher ausgegeben. Bei Richtungsänderungen im Bereich von wenigen Metern sind die Angaben ungenau. Hier sollte man noch mehr Erfahrungswerte sammeln. Die Richtungspfeile am oberen Bildschirmrand sind leider nicht beschriftet. 45-Grad-Winkel werden mit leicht schräg links oder rechts angegeben.

Falls das GPS-Signal nicht ausreichend stark sein sollte, wird man darüber  informiert.

Als ich zu Testzwecken absichtlich falsch abbog, kam die Ansage "Die Tour wird angepasst" erst nach ca. 80 Metern. Mit korrigierter Routenführung, bzw. der Meldung "bitte umkehren" geht es dann weiter. Gegen Ende der Route kommt die Ansage "Du bist gleich am Ziel" etwa 100 m vorher und "du bist an deinem Ziel angekommen - bis bald!" etwa 50 m vom Ziel entfernt.

Schließlich erwartet dich noch die die Anfrage "Tour anhalten und sichern", die du mit "ja" oder "nein" beantworten kannst. Um eine neue Navigation zu starten, musst du über mehrere Bildschirme zurück auf den Ausgangsbildschirm, was ein wenig umständlich ist.

Sehenswürdigkeiten (Highlights):

Über den Hauptbildschirm, dann mit der Auswahl "Karte" und dann über den Schalter "Suchen" kannst du Sehenswürdigkeiten (Highlights) in der Umgebung finden und in einer Liste anzeigen lassen. Informationen von Wikipedia bekommst du dazu. Hast du dich für ein Ziel entschlossen, kannst du dich von Komoot dorthin führen lassen.

Tourenvorschlag:

Ausgehend von der Hauptseite kannst du hier Angaben zur gewünschten Dauer oder Entfernung und zum Fitnessstand machen. Entsprechend werden dann Vorschläge berechnet.

Aufnehmen und Speichern einer Route:

Über den Hauptbildschirm und dann mit dem Schalter "Karte" kannst du eine Route aufnehmen. Zum Speichern und Teilen benötigt man allerdings einen Account.

Möchtest du deine Routen nicht auf der Internetseite von Komoot veröffentlichen, wählst du die Option "Privat" vor dem Speichern. Fotos können auf der Strecke oder nachträglich über das bordeigene Fotoalbum eingefügt werden.

Über "Mein komoot" auf dem Ausgangsbildschirm werden deine gespeicherten Routen aufgelistet. VoiceOver kann aber erst den Namen der Route auslesen, nachdem diese aufgerufen wurde. Diese gespeicherte Route stellt keine Turn-by-turn-Anweisungen zur Verfügung – d.h. du verfügst nicht über die Sprachnavigation, sondern nur ein Kartenausschnitt mit der Route als gefärbte Linie wird angezeigt. Falls du diese erkennst, kannst du dich mit Hilfe des Ortungspunktes orientieren, was aber sehbehinderten Menschen schwer fallen dürfte.

Teilen einer Tour:

Du kannst bereits auf der Seite "Tourinfo" eine geplante Tour über den Schalter "Senden" entweder sichern, auf Facebook teilen oder per Mail senden. Ebenso kannst du mit bereits gespeicherten Strecken verfahren.

Fazit

Die Barrierefreiheit ist verbesserungsbedürftig- darüber habe ich die Entwickler Mitte Juli 2014 informiert. Dennoch ist komoot interessant, da die App Fußwege bevorzugt. Zum jetzigen Stand kann ich diese App nur bedingt vollblinden Nutzern empfehlen. Die App setzt nämlich sehr auf den optischen Abgleich, ob man sich noch auf der Route befindet oder nicht. Die Sprachanweisungen reichen dafür manchmal nicht aus. Ich werde komoot unter diesem Aspekt weiter testen.

 

Ergänzung von Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

meiner erfahrung nach sagt kommot absolut nicht an, wenn ein wanderweg eine grössere strasse quert, es sei denn, der weg verlaufe ein paar meter dieser hauptstrasse entlang. oft kreuzt der wanderweg jedoch solche strassen rechtwinklig, so dass eben keine ansage erfolgt, und das kann für sehbehinderte mitunter lebensgefährlich sein. ich erlebte es schon mehrmals, zum glück in begleitung, und seit solchen erfahrungen mache ich im schweizer mittelland allein keine kommotwanderungen mehr, ohne dass ich die tour zuvor mit einer sehenden person online, d.h. virtuell angesehen habe.

 

iTunesLink:

https://itunes.apple.com/de/app/komoot-fahrrad-outdoor-routenplaner/id447374873?mt=8

 

 

Hellmuth Platz
Rehabilitationslehrer für Orientierung und Mobilität
BFW Würzburg
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