Apple-Chef rechnet mit geldgierigem Aktionär ab

Aus: „20 Minuten“ vom 4.3.2014

 

Verdammter Return on Investment»                      

 

Tim Cook hat genug von Investoren, die ausschliesslich auf den Gewinn achten. Bei der Aktionärsversammlung liess er seiner Wut freien Lauf.

 

Offenbar hat die Wut schon eine ganze Weile in Tim Cook geschlummert. Als ein profitorientierter Aktionär den Apple-Chef beim letzten Anlegertreffen mit einer Forderung provozierte, platzte diesem schliesslich der Kragen.

 

«Wenn wir unsere Produkte für Blinde zugänglich machen, interessiert mich der verdammte Kapitalertrag nicht!», wetterte Cook. Ein Vertreter des konservativen Thin k Tanks National Center for Public Policy Research (NCPPR) hatte zuvor gefordert, dass Apple nur noch Produkte auf den Markt bringe, die Gewinn erwirtschaften.

 

«Verkaufen Sie Ihre Aktien»

 

Investoren, die so dächten, sollten ihre Aktien besser verkaufen, so Tim Cook daraufhin weiter. Er blickte den NCPPR-Vertreter laut einem Bericht des Forums Mac Observer direkt an und sagte: «Wenn Sie wirklich so denken, dann empfehle ich Ihnen, ihre Anteile zu verkaufen.» Dasselbe wie für die Innovationen gelte auch für Umweltverträglichkeit, Sicherheit am Arbeitsplatz und andere Bereiche, in denen man gern Kosten in Kauf nehme.

 

Eigentlich gilt Tim Cook als sehr beherrschter Redner. Zahlreiche Teilnehmer der Konferenz zeigten sich überrascht von seinem Ausraster. Gleichzeitig erhielt Tim Cook von der I nternetgemeinde in den Social-Media-Kanälen für das Statement aber vor allem Rückendeckung.

 

 

Kommentar von Urs Kaiser (Gründer der Apfelschule.ch)

Die Haltung von Tim Cook ist lobenswert. Gerade wir blinden Menschen profitieren von Innovationen wie VoiceOver ganz erheblich für die Steigerung unserer Autonomie und die Erleichterung unserer Partizipation am gesellschaftlichen Leben. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich Tim Cook mit seiner Haltung gegenüber dem Druck des Kapitals behaupten kann. Denn auch mir ist klar, dass am Schluss die Kasse stimmen muss. Doch der Nutzen, der durch innovative Technologien gestiftet wird, ist meines Erachtens auch ein „Return of investment“, den es bei der Bilanzierung zu berücksichtigen gilt.